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Thema: Geschichten und Mythen der Siedler - Die Pulami

  1. #1
    Siedler
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    Geschichten und Mythen der Siedler - Die Pulami

    Die Pulami


    Vor kurzem herrschte auf meiner Insel eine längere Dunkelheit. Die Sonne wollte einfach nicht scheinen und meine Siedler nutzten diese Zeit zu einer ruhigeren Phase. Es war eine gute Gelegenheit, sich öfter mal zusammen zu setzen und den jungen Siedlern die alten Geschichten und Mythen zu erzählen und so die Vergangenheit lebendig zu halten. Manchmal konnte ich mich dazu gesellen. So erfuhr auch ich das ein oder andere aus vergangenen Zeiten wie die Geschichte der Pulami.

    Es ist schon lange her, da fanden die Fischer eines Tages an ihrem Strand einige kleine, fast verhungerte und verdurstete Gestalten. Besorgt kümmerten sie und die anderen Inselbewohner sich um die Ankömmlinge und päppelten sie auf. Was auch immer sie versuchten, die Gestalten blieben klein und dünn, aber sie erholten sich und wurden wendige und zähe Gesellen. Woher sie kamen und was ihnen geschehen war, daran konnten sie sich nicht erinnern, nur dass sie dem Volk der Pulami angehören, das wussten sie noch.
    Schon bald fingen sie an, die Insel zu erforschen und nach kurzer Zeit kannten sie jeden Stein und jeden Grashalm. Die Pulami waren großartige Beobachter und sorgfältig notierten sie alles, was ihnen auffiel. Aus ihren Notizen entwickelten sie Hilfestellungen für die Siedler wie die Bauernweisheiten oder den Wunderköder, die diesen das Leben und die Arbeit erleichterten.
    Die ganze Leidenschaft der Pulami galt allerdings den Bergen. Die Vielfalt der Gesteine und die Möglichkeiten, damit zu arbeiten, faszinierten dieses Völkchen. Je besser sie die Berge kennenlernten und je mehr sie die Zusammenhänge um den Bergbau mit verstärkten Schächten und andere Geheimnisse verstanden, desto mehr zogen sie sich in ihre Berge zurück. Sie erweiterten die gefundenen Höhlen, untersuchten und verglichen verschiedenen Gesteinsschichten und experimentierten mit unterschiedlichen Abbaumethoden. Es fiel ihnen auf, wie sie größere Vorkommen entdecken konnten und wo Gesteinsschichten Hinweise auf neue abbauwürdige Vorkommen ergaben. Nach wie vor hielten sie all ihre Entdeckungen und Beobachtungen in Skripten und Büchern fest und ließen auch die Siedler an ihrem Wissen teilhaben. Wenn Entdecker und Geologen besondere Fähigkeiten entwickeln, dann sind sie den Pulami und ihren Schriften begegnet.
    Noch heute freuen sich die Siedler besonders auf die Feste mit dem Liebestrank. Denn die Pulami fehlen nie bei diesen Feiern und ihre Geschichten sind ein besonderer Höhepunkt des Treffens.

  2. #2
    Siedler
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    Der Schamane

    Eines Tages wurden die Siedler gegen Schamanen, die mit ihrer Magie die Häuser der Bewohner auf der Insel veränderten, zu Hilfe gerufen. So schnell sie konnten, brachen sie auf, doch nach einiger Zeit kehrten sie betrübt und erfolglos zurück.

    „Was war denn los? Normalerweise seid ihr doch so findig und stark, dass ihr immer Erfolg habt“, fragte Daryyl, einer der Pulami, einen Siedler, den er am Fuße der Berge traf. „Wir konnten nicht richtig landen“, berichtete Adrian. Ausführlich erzählte er Daryyl von ihrer Mission. Sie hatten eine gute Stelle gefunden, um mit ihren Truppen zu landen und erkundeten den Weg zu dem Schamanen. Doch nach kurzer Zeit stießen sie auf eine Bergkette, die ihren Landeplatz vom Rest der Insel trennte. Soviel die Siedler ihre Erkunder losschickten und nach einem Weg durch die Berge oder um sie herum suchten, sie wurden einfach nicht fündig. Es gab keinen Weg durch die Berge hindurch – alle Pässe waren mit einem Schutzzauber versehen und am Rande der Berge waren passierbare Stellen zu schmal für ihre Truppen. So versuchten sie, entlang der Insel andere Landeplätze zu finden. Doch sie waren erfolglos. Entweder waren ihre Schiffe zu groß, um anzulegen, oder die Meeresströmung bzw. die Brandung waren so stark, dass die Nutzung der kleineren Landungsboote unmöglich war. Es blieb ihnen nichts anderes übrig: sie mussten umkehren.
    Nachdenklich hörte Daryyl zu. „Wie ist das eigentlich“ fragte er schließlich. „Gibt es in den Bergen auch Höhlen oder andere Durchlässe?“. Adrian überlegte. “Das gibt es schon. Aber für uns sind die Eingänge schon viel zu klein und mit unserer Ausrüstung - Da kämen wir nie durch!“ Daryyl stellte noch einige Fragen. Plötzlich lächelte er und seine Augen blitzten schelmisch. „Ich habe da eine Idee, aber ich muss mich umhören, ob es klappt. Wir treffen uns morgen an dieser Stelle wieder. Dann weiß ich Bescheid“. Aufgekratzt verschwand er hinter Gesteinsbrocken in einer Höhle.
    Am nächsten Tag trafen sich der Siedler und der Pulami wieder. Sie vereinbarten, dass die Siedler eines ihrer schnellen Truppenschiffe und einige wenige Truppen als Helfer vorbereiteten und die restlichen Plätze von den Pulami und ihren Kisten belegt würden. „Aber es müssen sehr disziplinierte Soldaten sein.“ Adrian sicherte dies zu. Und so legte eines Morgens ein Transportschiff mit einem schnellen General, wenigen Truppen, einigen Pulami und vielen geheimnisvollen Kisten ab.
    Auf der Insel des Schamanen angekommen, verschwanden die Pulami sofort in den Bergen. Nach einiger Zeit tauchten sie zufrieden und verstaubt wieder auf. Sie baten die Soldaten, die Kisten vorsichtig bis an einen Höhleneingang zu tragen, in einer bestimmten Weise aufzustellen und sich dann zurückzuziehen. Als die Pulami die Kisten öffneten, schauten die Soldaten ganz verblüfft. Sorgfältig die Umgebung beschnuppernd schob sich ein kleines Meggis (eine Unterart der schottischen Haggis) heraus. Hurtig sprang es heraus und verschwand im Gebüsch. Auch aus den anderen Kisten folgten kleine Schweine, die eilig dem ersten nachrannten. Erst nachdem sie mehrere Tiere gesehen hatten, fiel den Soldaten auf, warum alle in dieselbe Richtung rannte: Jedes der Meggis, die wie kleine Schweine aussahen, hatte auf der einen Seite ein kurzes Vorder- und Hinterbein und auf der anderen Seite ein längeres Vorder- und Hinterbein. Sie rannten alle so, dass die kurzen Beine an der aufsteigenden Seite des Berges und die längeren Beine am Gefälle. Binnen Kurzem waren alle verschwunden.
    Jetzt galt es, geduldig zu warten. Die Pulami setzten sich mit den Soldaten zusammen und schmausten mitgebrachte Wurst und Brot, während sie sich unterhielten. Es dauerte und dauerte, doch auf einmal hörten sie Gerumpel von den Bergen. Die Schweinchen stoben in einer langen Reihe vorbei und verschwanden wieder. So passierte es etliche Male. Irgendwann war ein Weg erkennbar, aus dem Weg wurde eine Rinne, die Rinne entwickelte sich zum Graben. Der Graben wurde immer tiefer. Die Pulami lächelten einander an. Schließlich, als man die Meggis schon sehr lange nicht mehr sah und auch beinahe nicht mehr hörte, waren die Pulami zufrieden. Sie bugsierten die Schweine wieder in ihre Kisten und ließen sie zum Schiff zurücktragen. Dann holten sie aus ihren Taschen lange Pfeifen, die Tröten des Sprengmeisters genannt, heraus und verteilten auch solche an die Soldaten. Auf Kommando blies jeder in seine Pfeife. Es war ein ohrenbetäubender Lärm. Die Luft vibrierte. Plötzlich brachen die Felsen in der Mitte des Gebirges auseinander und Steinlawinen rutschten immer schneller den Abhang hinunter. Es dauerte lange bis sich die Berge wieder beruhigt und der Staub sich gelegt hatte. Doch dann war es klar: der Weg durch die Berge war frei. Die Pulami und ihre Helfer, die Meggis, hatten es geschafft!!
    Nun war es kein Problem mehr für die Siedler, zu Hilfe zu eilen und den Schamanen zu besiegen.
    Im Verborgenen wuchsen immer mal neue Schamanen nach. Mit ihren geheimnisvollen Kräften gelang es ihnen, die Bergketten wieder notdürftig zu schließen. Doch der Graben, den die Meggis gelaufen hatten, der blieb und das Gestein blieb lockeres Geröll, das in Steinschlägen und Lawinen wieder den Berg herunter prasselt. So gelingt es den Siedlern nun, sich einen Weg durch die Berge zu schaffen, ohne dass die Schamanen es verhindern können.
    Geändert von marsuli (03.08.14 um 20:25 Uhr) Grund: Schreibfehler

  3. #3
    Siedler
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    Die hilfreiche Vogelscheuche

    Die Siedler waren erfolgreiche Bauern auf ihrer Insel. Dank dem Einsatz von Ernteritualen und anderen Förderungen gelang es ihnen, ihre Erträge zu verbessern und so viel Getreide für die weiteren Betriebe auf der Insel beizusteuern. Darauf waren sie sehr stolz.
    Die Insel der Siedler befand sich in einem für Pflanzen günstigen, warmen Klima und zu bestimmten Zeiten kamen auch von weither andere Vogelarten, um sich einige Zeit auf der Insel aufzuhalten und anschließend wieder in ihre Heimatquartiere zu fliegen. Das war schon immer so gewesen. Irgendwann, wenn die Saat schon etwas größer war, tauchten auch Gruppen von schwarzen Vögeln auf, die auf den Feldern nach Nahrung suchten. Sie ernährten sich überwiegend von Würmern Insekten und anderen Schädlingen. Die Bauern schenkten ihnen nie viel Beachtung.

    In einem Jahr kamen diese Vögel besonders früh und in ungewöhnlich großen Schwärmen. Die Bauern hatten kurz zuvor mit der Aussaat begonnen und nun spross das Getreide auf den Feldern. Für die Vögel waren die Felder ein Nahrungsparadies. Die Erde war noch locker, so dass sich allerlei Bodeninsekten und Würmer einfach finden ließen und die aufkeimende Saat war ein besonderer Leckerbissen. Mit wachsender Besorgnis beobachteten die Bauern, dass die Tiere von morgens bis spätabends auf den Feldern stolzierten und dort nach Nahrung suchten. Bis dahin bewährte Maßnahmen wie das Aufstellen von Vogelscheuchen half nicht viel, nicht einmal als die Scheuchen mit wehenden Tüchern behangen wurden, ließen sich die Vögel lange abhalten. Die Bauern versuchten es mit Lärm und Knallern, sie hingen blinkende Gegenstände auf und sie verscheuchten die Vögel selbst von den Feldern. Nichts half lange. Die Tiere gewöhnten sich sehr schnell an die verschiedenen Maßnahmen. Selbst wenn ein Siedler angerannt kam, um sie zu vertreiben, flogen sie nur träge und langsam ein paar Meter weiter. Langsam sahen die Bauern ihre Ernte, ihre Nahrung und auch die Grundlage für die anderen Betriebe auf der Insel in Gefahr. Als die Pflänzchen ein klein wenig gewachsen waren, fingen die Vögel an, ganze Reihen der Pflanzen auszureißen. Jetzt reichte es den Bauern.
    „Du kennst dich doch mit Vögeln aus, Lengin. Schließlich beobachtest du sie schon lange genug. Gibt es denn gar nichts, was wir gegen diese Viecher tun können?“ fragte einer der Bauern ganz verzweifelt. „Ich habe schon tote Vögel auf das Feld gehängt. Nicht einmal das hat geholfen!“ Der Pulami nickte. „Das schreckt sie einfach nicht ab. Eine Idee habe ich schon, aber ich weiß noch nicht, wie ich das machen soll. Vielleicht kann der Feinschmied mir helfen. Ein Weilchen wird das schon dauern.“
    Der Feinschmied hörte Lengin zu. Lange sprachen beide miteinander. Dann kam der Eisenschmied, später der Stahlschmied hinzu. Die Schmiede stellten ihre Arbeit ein und fingen an zu experimentieren. Viel zu sehen war nicht. Nur manchmal hörte man krächzende Laute aus den Werkstätten oder einen Knall. Hin und wieder huschte Lengin heraus, plazierte ein merkwürdiges Gerät in der Nähe der Vögel und beobachtete, wie diese auf die Laute reagierten, die das Gerät produzierte. Anfangs blieben die Vögel ganz ruhig, doch mit jedem Versuch wurden sie unruhiger, wenn sie die Laute hörten.
    Inzwischen änderten die Bauern ihre Anbaumethoden. Sie beizten die Getreidekörner in bitteren Kräutern und säten sie anschließend tiefer ein als gewöhnlich. Danach walzten sie die Erde fest. Natürlich würde er Ertrag niedriger sein als in anderen Jahren. Aber jede Pflanze, die sie ernten konnten, wäre ein Gewinn.
    Endlich tauchten Lengin und die Schmiede wieder auf. Sie wirkten ganz aufgekratzt. Die Bauern, zuerst ganz hoffnungsvoll, schauten enttäuscht auf die riesige Vogelscheuche, die rausgetragen wurde. Das sollte die Lösung sein? Eine Vogelscheuche? Lengin und die Schmiede schleppten die Vogelscheuche mühsam auf ein besonders belagertes Feld und stellten sie dort sicher auf. Dann drehten sie einige Zeit an einer Kurbel und setzten sich danach in der Nähe des Feldes nieder. Die Vögel kehrten sehr schnell auf das Feld zurück. Einige Zeit passierte nichts. Die Bauern schauten immer enttäuschter. Plötzlich ertönte ein lauter Vogelruf. Mitten in das Gekrähe hinein ein lauter Knall. Abrupt brach der Vogelruf ab. Stille. Die Vögel stoben in alle Richtungen auseinander und flatterten eine ganze Weile wild durcheinander. Nur langsam beruhigten sie sich und flogen wieder näher heran. Da passierte unvermittelt dasselbe wieder. Ein Vogelschrei – ein Knall - Stille. Diesmal flatterten die Vögel noch weiter fort und sie brauchten länger, um wieder näher zu kommen. Das Ganze wiederholte sich. Jedes Mal entfernten sich die Vögel weiter. Zum Schluss kamen sie nicht mehr auf das Feld. Die Bauern waren verblüfft.
    Lengin schmunzelte. „Die Vögel haben auch eine eigene Sprache,“ erklärte er. „Wenn sie ihr Revier abgrenzen, in der Paarungszeit oder wenn sich andere warnen, jedes Mal klingt es ein bisschen anders. Bei der Vogelscheuche habt ihr den Angstruf gehört. Zusammen mit dem Knall sind die Vögel so erschreckt, dass sie sich nicht mehr herantrauen. Es könnte ja tatsächlich sehr gefährlich für sie sein.“ Lengin winkte die Bauern zur Vogelscheuche und öffnete diese im Bereich der Kurbel. „Wir haben ein Gerät gebaut, mit dem die Töne des Angstrufs abgespielt werden können.“ Er zeigte auf eine Walze mit kleinen Erhebungen. „Da, diese kleinen Buckel und diese länglichen Federn, die produzieren die verschiedenen Töne. Es hat natürlich schon eine Weile gebraucht, bis wir das richtig hinbekommen haben. Und dort an der Walze seht ihr eine Feder, die man mit der Kurbel aufziehen kann. Wenn die Feder aufgezogen ist, entspannt sie sich langsam wieder und dreht dabei die Walze. Die Erhebungen geraten irgendwann unter diese Federn hier und dann gibt es die Geräusche in den unterschiedlichen Tönen, je nachdem an welcher Stelle der kleine Dorn sitzt und wie groß er ist.“
    Fasziniert beobachteten die Bauern wie sich die Walze langsam drehte und immer, wenn die länglichen Federn über die Erhebungen glitten, der Vogelruf und der Knall ertönte.
    Und die Vogelscheuche funktionierte. Die Vögel blieben dem Feld weiterhin fort. Also wanderte die Scheuche den Vögeln nach – auf das nächste Feld, dann auf das übernächste, solange bis ein Vogelschwarm nach dem anderen an den Rand der Insel gedrängt war, dorthin wo sich keine Felder mehr befanden.
    Als der letzte Schwarm die Insel verlassen hatte, feierten die Bauern ein großes Fest. Die hilfreiche Vogelscheuche bekam den Ehrenplatz in der Mitte des Festzeltes. Sie wird auch heute noch mit Erfolg eingesetzt, wenn zu viele Zugvögel auf der Insel erscheinen. Durch die Geräusche aus der Vogelscheuche werden die Tiere abgehalten, die Saat zu picken und die Bauern können sich zur Erntezeit über eine gute Ausbeute freuen.

  4. #4
    Siedler
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    Jäger unter sich

    Das Fest der Siedler war in vollem Gange. Unzählige Fässer mit Malzbier waren schon geleert und kullerten auf der ganzen Insel herum. Die Siedler und ihre zahlreichen Gäste saßen in Gruppen beisammen, erzählten einander ihre Abenteuer und lachten fröhlich über die Geschichten. Die Stimmung war gelöst.
    Harach, ein Pulami, kraulte seinen Hund. Er hatte ihn vor einiger Zeit Gernot, einem Bauern, gegen Wildbret abgehandelt, nachdem er fasziniert beobachtet hatte, wie der Hund eine kleine Herde zusammengetrieben hatte. Seitdem gingen Harach und sein Hund gemeinsam auf die Jagd.
    „Harach, du wolltest uns doch noch die Geschichte mit dem rasenden Wildschwein erzählen“ rief ein Siedler in die Runde.“Du weißt doch als ihr dem tapferen Schneiderlein geholfen habt. Los, wir sind schon alle gespannt wie die Flitzebogen!“ Die Umsitzenden schauten gespannt auf den kleinen Jäger. Harach grinste frech. „Ich bin ja erst später auf die Insel gekommen. Vorher waren ja noch alle Plätze auf den Schiffen von den Truppen belegt. Ein langer Marsch war das auf der Insel bis wir endlich an unserem Lager ankamen. Das war dort in der Gegend, wo das Einhorn früher war. Mann, sah es bei den besiegten Lagern aus. Als hätten die Vandalen dort gehaust. Am schlimmsten waren die Lager mit den Wildschweinen. Total zertrampelt war die ganze Umgebung! Und dort, wo die Schweine sich gesuhlt hatten, konnte man wirklich nicht mehr hin. Knöcheltief ist man in den Morast eingesunken. Die Bäume, an denen sich die Schweine nach dem Suhlen gescheuert haben, die hatten bis hierher gar keine Rinde mehr.“ Harach streckte seinen Arm ein gutes Stück über seinen Kopf, um die Höhe anzuzeigen. „ Und in der Nähe dort hatte eine Rotte Wildschweine den ganzen Boden umgepflügt. Es sah aus, als hätte ein Krieg dort stattgefunden!“ Er schüttelte sich.
    “Also, am Nachmittag waren wir endlich dort, von wo aus es losgehen sollte. Alle waren schon fertig von dem langen Weg. Am nächsten Morgen zog die Garnison los. Das Wildschwein hatte ja schon einen Ruf. Wir haben ja eine schwere Schlacht erwartet. Aber das war keine Schlacht, das war ein Massaker! Wir sind in einen Hinterhalt geraten! Lauter Bären, Wölfe und Füchse trieben sich in der Nähe herum und stürzten sich auf uns. Wir hatten gar keine Chance. Wer mit den wilden Viechern noch fertig wurde, den hat das rasende Wildschwein einfach überrannt und zertrampelt.
    Der General hat sich schwer verletzt zurückgeschleppt. Er sah fürchterlich aus. Aber er konnte uns noch von dem Wildschwein erzählen. Das rasende Wildschwein war so lang wie…..“ Harach blickte sich suchend um. „So lang wie … Wildfänger groß ist!!!“ Wildfänger war der größte unter allen Siedlern – ein 2 m Mann. Groß und kräftig wie er war, wirkte er einschüchternd. „Und so groß wie ein Kalb war das Vieh! Mann, das ist fast so groß wie ich! Das hat bestimmt eine halbe Tonne gewogen!“ Der Pulami redete sich immer mehr in Fahrt. „Wie sollten wir das Untier nur kleinkriegen, ohne noch viel mehr Verluste zu haben? Aber da hatte ich eine Idee.“ Er klopfte sich auf die Brust. „Die war wirklich klasse, das fanden die anderen Siedler auch. Noch in der Nacht schickten wir ein paar Reiter zu den Schiffen, am Morgen waren sie wieder zurück. Ich hatte mich noch nach einer geeigneten Stelle umgeschaut, weit genug von der Höhle des Wildschweins entfernt, dass das Vieh nichts bemerken konnte und mit vielen Büschen drum herum. Mit ein paar sehr mutigen Leuten und dem Schneiderlein machte ich mich dann an die Arbeit. Wir schleppten Baumstämme bei und bauten ein richtiges Haus. Groß genug für die Sau, dass sie rein konnte, aber zu klein, um sich umzudrehen. Über die Baumstämme kamen die Segel, die die Reiter mitgebracht hatten. Außen auf die Segel kamen lauter Steine, damit niemand durchkriechen konnte. Das Schneiderlein war glücklich. Er hatte darum gebeten, dass die Falle wie eine Kirche aussieht, weil er geträumt hatte, die Sau würde in einer Kirche gefangen. Na ja, es war dann eine sehr kleine Kirche. Aber eine Kirche, besonders nachdem das Schneiderlein noch heimlich eine kleine Glocke aufgehängt hatte!
    Aber ihr wisst ja, wie das so ist. Wenn einem etwas am Herzen liegt, dann sollte man es auch tun.

    Aber jetzt kam da Schwierigste. Wie kriegt man nur dieses Wildschwein dort rein? Wir beschlossen, das mit einer Hatz zu machen. Mit viel Lärm, Krach und Getöse wollten wir den Keiler in die Kirche treiben. Ich war natürlich mit dabei! Und mein Hund, ist doch klar. Der General stellte uns in einer langen Reihe auf. Jeder hatte etwas, das Krach macht – einen Stock oder ein Schwert, mit dem man gegen die Bäume schlagen konnte, einen Bogen mit Pfeilen, um ins Unterholz zu schießen, Pferde. Ich hatte meinen Hund bei mir, der bellte so laut, dass man das noch am anderen Ende des Tals hören konnte. Also dann ging die Hatz los. Am Anfang ging auch alles nach Plan. Das Wildschwein rannte kopflos in die Richtung, in die es rennen sollte. Auf einmal drehte es sich um. Es hatte einen Pfeil im Hintern stecken. Der Keiler stürmte auf uns zu. Die Männer neben mir drehten sich um und rannten fort. Nur ich blieb stehen. Ich richtete mich auf und schrie aus Leibeskräften. Der Keiler kam immer näher. Der war größer als ich! Und schnell! Die Hauer, die Eckzähne, ragten aus der Schnauze raus. Die waren bestimmt so lang wie mein ganzer Arm! Ich drehe mich rum und rase zum nächsten Baum. Ein Sprung - und ich hänge am Ast. Schnell ziehe ich meine Beine hoch. Hoffentlich ist der Ast hoch genug. Da ist der Keiler schon! Er richtet sich am Stamm auf und versucht mich böse grunzend zu erreichen. Die Schnauze mit den kräftigen Zähnen und den Hauern kommt mir immer näher. Höher hinauf kann ich nicht. Der Keiler macht einen Satz und beißt zu. Ich höre noch ein Geräusch, meine Haare stellen sich senkrecht und mein Po wird kalt. Meine Hose! Der Keiler hatte meine Hose erwischt und ein Stück rausgerissen.“ Verlegen rieb sich Harach über sein Hinterteil. „Ich hatte doch nur die eine Hose“ murmelte er kläglich. „Die Rückfahrt war fürchterlich.“ Seine Zuhörer hielten sich die Bäuche vor Lachen. “Sag mal“ japste schließlich einer der Siedler. „Bist du eigentlich vom Baum runtergefallen?“ Harach kratzte sich hinter dem Ohr. „Na ja …. ja“ gab er widerstrebend zu. „Aber da war das Wildschwein schon fort.“
    „Die Hatz dauerte noch eine ganze Zeit. Der Keiler wurde über das Gelände getrieben. Immer wieder brach er aus und griff die Truppen an. Nicht jeder war so schnell wie ich und nicht jeder hatte einen rettenden Baum. Das Vieh erwischte einige von uns. Schließlich hatten wir ihn vor der Falle. Mei n Hund trieb ihn immer weiter auf diese kleine Kirche zu. Der Keiler stürmte wieder auf uns zu, um uns anzugreifen. Plötzlich drehte er sich um und wollte ins Unterholz stürmen. Mein Hund rannte bellend auf ihn zu.
    Das Wildschwein drehte ab und rannte mit waagerecht gestrecktem Ringel geradewegs in die Falle rein. Drinnen ertönte ein wütendes Grunzen. Der Bau wackelte und bebte, als sich der Keiler gegen die Seiten warf. Doch er hielt! Es dauerte lange bis die Kräfte das Vieh verließen. Aber schließlich rührte es sich nicht mehr, sondern keuchte nur noch. Das war der Augenblick, auf den wir gewartet hatten. Schnell brachten wir den Bau zum Einsturz, so dass die Stämme auf dem Keiler lagen und er nicht mehr rauskam und dann banden wir ihn an den Füßen zusammen und schleppten ihn als Beute zum Schneiderlein.“ Der Pulami schaute versonnen vor sich hin. „Ja, das war schon ein mächtiges Abenteuer gewesen!“
    „Das war wirklich ein Abenteuer, besonders mit der Hose“ schmunzelte Wildfänger anzüglich. Aber ich kenne da auch noch eine Geschichte; die ist schon uuururalt. Jedenfalls geschah sie lange, lange Zeit, bevor ihr Pulami auf die Insel gekommen seid.
    Die Siedler waren damals noch eine kleine Gruppe. Das Leben war noch hart, denn die Bauernhöfe steckten noch ziemlich in den Anfängen und auch die Werkzeuge und Waffen waren noch nicht so ausgefeilt wie heute. Gut, manches konnten wir schon herstellen, aber das war z.B. bei den Eisenwaffen noch nicht viel und die Qualität war mit heute nicht zu vergleichen!
    So waren die Siedler noch ziemlich auf das angewiesen, was sie an Früchten und anderem Essbarem einsammelten und was die Jäger fanden oder erjagten. Natürlich gab es auch noch Tiere, die wir heute gar nicht mehr kennen. Mein Großvater hat mir noch von riesigen Katzen erzählt, die Zähne hatten so lang wie mein Unterarm.“ Wildfänger hielt seinen Arm hoch, so dass ihn jeder sehen konnte. „Aber auch Bären, so groß wie ein kleiner Baum oder andere Tiere, die den Siedlern ihre Beute abjagten, gab es. Viel wichtiger aber waren die Tiere, die man essen konnte, wie Riesenhirsche.
    Eines Tages entdeckte eine Gruppe Siedler beim Umherstreifen ein riesiges Tier. Keiner hatte zuvor jemals so ein Untier gesehen!“ Wildfänger sprang auf und griff nach eine langen Stock, der auf dem Boden lag. „So groß war das Vieh!“ Er holte aus und beschrieb mit dem Stock einen großen Bogen. Einige Siedler wichen erschrocken zur Seite, als der Stock sie beinahe streifte. „Nein, noch viel größer, so groß wie ….wie eine Knochenkirche war es.“ Einige Zuhörer hielten sich erschrocken die Hand vor den Mund. Sie kannten die Knochenkirche. „Und an jeder Seite vom Kopf hatte es riesige Zähne, die vorne nach außen gedreht waren so wie Spieße. So lang wie diese Tanne da …“ Wildfänger zeigte auf eine Tanne, die mit ihrem Drehwuchs tatsächlich ein wenig gebogen da stand und eine neu gebaute Köhlerhütte in der Nähe ein gutes Stück überragte. „ Und der Rüssel war so lang wie zwei Männer! Der ganze Körper war mit kurzen borstigen Haaren bedeckt. Ein Mammut! “ Einen Moment schloss Wildfänger die Augen und schüttelte sich, als hätte er etwas Furchterregendes gesehen. Dann stapfte er mit kurzen Schritten vor seinen Zuhörern hin und her.
    „ Die Gruppe überlegte, was sie tun sollte. Dann kehrten zwei Leute zur Hauptgruppe zurück. Der Rest blieb da, um das Riesentier weiter zu beobachten. Gemächlich zog es über die Insel. Die Siedler hatten Hunger. Sie hatten nicht viel zu essen gefunden. Das Tier sah nach einem Fest mit vollen Bäuchen aus. Zwei , drei Leute schweiften ab, um einen geeigneten Platz zu finden, wo man diese Beute hintreiben konnte. Nach etlicher Zeit kam einer zurück. Er hatte eine kleine Schlucht gefunden, deren Eingang schon durch etliches Geröll schmäler war.“ Wildfänger, der inzwischen in den gemächlichen Trott des Riesenmammuts gefallen war, ging wieder schneller. „ Die Männer beschlossen das Mammut in die Schlucht zu treiben. Dazu suchten sie lange Stecken und schwangen sie in Sichtweite des Mammuts hin und her.“ Auch Wildfänger schwang seinen Stab. Seine Zuhörer rutschten nach hinten. „Durch die langen Hölzer verunsichert, zog das Mammut langsam in die Richtung zur Schlucht. Die Männer jubelten laut, als das Tier durch das Geröll in die Schlucht hinein lief. Erschrocken durch den Lärm, trabte das Mammut schneller. Die Männer warteten bis das Mammut in der Schlucht war, dann trauten sie sich näher und rollten umherliegende Steine in den Durchlass, damit das Riesenvieh nicht mehr raus konnte.“ Mühsam rollte Wildfänger einen imaginären Stein vor sich her und wischte sich den Schweiß von der Stirn.
    „Inzwischen tauchten, einer nach dem anderen, die Siedler auf. Die Mutigsten kletterten auf die Felsen und schauten nach dem Tier. Das wurde inzwischen immer unruhiger in dieser Schlucht. Auf einmal stieß es einen lauten Trompetenstoß mit seinem Rüssel aus und rannte auf den Ausgang zu. Die Siedler dort rannten auseinander und brachten sich hinter Steinen in Sicherheit. Aber das Mammut drehte ab. Die Steine waren schon so hoch getürmt, dass es nicht mehr durchkam. Es war gefangen!“ Wildfänger stieß einen Jauchzer aus und reckte den Stab mit einer Siegesgeste in die Luft.
    „Jetzt kam das Schwierigste: Das Mammut musste noch getötet werden. Jeder hatte Hunger, denn seit einiger Zeit war die Nahrung knapp, sehr knapp.
    Zuerst probierten die Männer mit Pfeil und Bogen ihr Glück. Aber die Haut war so dick, dass alle Pfeile abprallten. Nicht die kleinste Verletzung bekam das Tier! Ein paar versuchten den Kopf mit möglichst großen Steinen zu treffen. Da zog sich das Mammut in den hintersten Winkel der Schlucht zurück – dort, wo kein Pfeil und kein Stein hinkamen. Die Männer schauten sich besorgt an und berieten, doch an diesem Tag wollte ihnen nichts mehr gelingen.
    Am nächsten Morgen war das Tier wieder weiter vorne. Mit dem Mut der Verzweiflung machten sich ein paar Siedler bereit. Sie wollten mit ihren Schwertern das Mammut angreifen! Mühsam kletterten sie über sie Steine und verteilten sich, um von verschiedenen Seiten loszustürmen. Doch das Riesenvieh entdeckte sie. Es stürmte auf den ersten Siedler zu und rammte ihn mit seinem riesigen Stoßzahn. Der Siedler flog durch die Luft. Das Mammut drehte sich herum und stürmte auf den nächsten zu. Doch der hatte mehr Glück! Er konnte sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen.“ Wildfänger rannte mit seinem ausgetreckten Stab auf einen außen sitzenden Siedler zu und stupste diesen damit in die Seite. Der Siedler riss die Arme hoch und machte einen Satz nach hinten. Wildfänger wirbelte herum und stürmte zu einem anderen, etwas entfernt sitzenden Sieder, der geistesgegenwärtig aufsprang und sich mit einigen Sprüngen nach hinten in Sicherheit brachte.
    „Ein zweites Mal traute sich niemand anzugreifen. Nur aus sicherer Entfernung oder von oben wurden Steine geworfen. Aber erfolglos. Das Mammut hatte sich wieder in den hinteren Teil der Schlucht zurückgezogen. Abends begann es zu regnen, doch später in der Nacht hatten sich die Wolken verzogen. Die Nacht wurde klar – und eiskalt. Es gab einen Temperatursturz. Der Boden wurde spiegelglatt. Die Siedler froren. So eine kalte Nacht waren sie nicht gewohnt. An Schlaf war nicht zu denken. Im Mondschein konnten sie das Mammut in der Schlucht sehen. Es bewegte sich unruhig hin und her. Es war eine Nacht, in der die Geräusche besonders gut zu hören waren. Und auf einmal wurde den Siedlern klar, warum das Tier so unruhig wurde. Es knisterte immer wieder. Die Männer schauten sich besorgt um. Auf einmal stieß einer von ihnen einen Schreckensschrei aus und zeigte auf einen der großen Steine in der Schlucht. Der bewegte sich! Von selbst! Auf das Mammut zu! Andere Steine rutschten ebenfalls herum! Das Mammut versuchte zu entkommen. Doch hinter ihm war nur Fels. Verängstigt reckte es seinen Rüssel hoch und stieß einen lauten Trompetenstoß aus. Der Ruf des Mammuts hallte durch die Nacht. In den Wänden der Schlucht ertönte ein Echo. Die Siedler erstarrten. Plötzlich lösten sich über dem Mammut Steine aus der Felswand und rissen andere Steine mit sich. Eine Lawine ging ab. Das Mammut rannte trompetend nach vorne, doch es konnte nicht mehr weit genug ausweichen – es wurde von etlichen Steinen getroffen und fiel zur Seite!
    Am nächsten Morgen kletterten die Siedler in die Schlucht hinein. Das Mammut war wirklich tot. Steinen hatten es am Kopf getroffen. Die Männer konnten es nicht glauben.“
    Unvermittelt stieß Waldfänger einen Jubelschrei aus, warf seinen Stab in die Luft und fing in wieder auf. Er tanzte einen wilden Freudentanz mitten in der Runde seiner Zuhörer. Harach starrte ihn mit offenem Mund an. „Die Geschichte ist doch nicht wahr – oder?“ stammelte er. Waldfänger lachte schallend. „Natürlich ist die Geschichte wahr. Die hat mir mein Großvater schon erzählt. Und der hat sie von seinem Großvater“. „Aber solche Mammuts, … die gab es doch nie“ versuchte es Harach erneut. Jetzt lachten auch einige der anderen Siedler fröhlich. „Aber Harach“ rief einer von ihnen. „Du kennst doch die Schlucht hinten auf der Insel zwischen den zwei Eisenfunden, nicht wahr? Dort liegen noch Knochen von dem Mammut. Hast du die noch nie gesehen? Sogar Helvian Kones war mal hier und hat danach gegraben. Aber die Knochen auf der Hauptinsel sind besser erhalten und leichter zu konservieren. Deshalb hat er dort sein Lager aufgeschlagen.“ „Die Schlucht kenne ich und Knochen habe ich dort auch schon gesehen“ erinnert sich Harach zögernd. „Aber….“
    „Das nächste Mal nehme ich dich mit auf die Jagd. Dann erleben wir solche Geschichten zusammen. Was meinst du?“ schlägt Wildfänger dem Pulami vor. Der nickt begeistert. Und so begann zwischen beiden eine Freundschaft, die über eine gewöhnliche Jagdfreundschaft weit hinaus ging. Vor allem die Geschichten, mit denen beiden zu jeder Gelegenheit wetteiferten, war für die zahlreichen Zuhörer jedes Mal ein spannendes Vergnügen.
    Anmerkung: In Kalifornien gibt es das sogenannte „Tal des Todes“. Geologen rätseln schon seit Jahrzehnten, warum sich hier bis zu 300 kg schwere Steine in manchen Nächten wie von Geisterhand fortbewegen und Schleifspuren hinterlassen. Durch Videoaufnahmen kamen Forscher den wanderenden Steinen auf die Schliche: Nach Regen bildete sich auf der Hochebene dort ein flacher See, der gefror. Auch die Steine wurden von einer sehr dünnen Eisschicht umschlossen. Im Tauwetter zerbrachen die Eisschichten in unzählige kleine Schollen, die die Steine einkeilten. Durch den Wind wurden diese Schollen fortgetrieben und gewissermaßen wie auf Flößen bewegten sich die Steine mit.
    Quelle: „Tal des Todes in Kalifornien: Forscher lösen Rätsel der wandernden Steine“ Spiegel online v. 28.08.2014 von Axel Bojanowski
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    Geändert von marsuli (30.12.14 um 17:34 Uhr)

  5. #5
    Siedler
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    Golems und Kürbisse

    In diesem Jahr gab es einen schönen Altweibersommer auf der Insel meiner Siedler. Die Tage waren mild und viel Sonne ließ noch das letzte Obst und Getreide reifen. In den Sträuchern am Rande des Seeufers inmitten der Insel hatten die Spinnen ihre Netze gebaut und morgens glitzerten die Tautropfen darin um die Wette, wenn die ersten Sonnenstrahlen darauf fielen. Wie immer im Herbst, war am Morgen der See noch in Nebelschwaden eingehüllt, die sich im Laufe des Vormittags auflösten und in die ein leichter Wind immer wieder Löcher riss.

    Die Kinder der Siedler und Pulami rannten lachend am Seeufer entlang und versuchten einander zu fangen. Da ertönte plötzlich aus dem See heraus ein dunkles Grollen. Erschrocken blieben die Kinder stehen und starrten auf den See hinaus. Genau in diesem Moment trieben die Nebelfetzen auseinander und auf der Insel war eine riesige graue Gestalt zu sehen. Sie schwenkte ihren Kopf und blickte die Kindergruppe an. Die Kleinen schrieen laut auf und stoben in alle Richtungen davon, um Schutz hinter Baumstämmen, Sträuchern und Felsblöcken zu suchen. Einige Siedler, die in den Betrieben in der Nähe arbeiteten, blickten ebenfalls beunruhigt auf und suchten, wo das Grollen herkam.

    Ungläubig schauten sie auf die Steinfigur. „Ein grauer Steingolem“, flüsterte Weisler leise, als hätte er Bedenken, der Koloss könnte ihn hören. „Ja, wie letztes Jahr“, antwortete Kruschjer ebenso leise. „Sind die wirklich ungefährlich? Ich glaube das einfach nicht! Der sieht so aus, als würde er gleich auf uns springen. Letztes Jahr kamen die Golems über die Insel gesprungen. Sonokowitsch hat das erzählt. Er hatte sogar einen Beweis, ein Video.“ Vorsichtig trat der Siedler zwei Schritte zurück. „Aber der Schamane hat gesagt, der Golem macht nichts. Schon gar nicht, wenn wir, ….. .“ Weisler zögerte. „Weißt du noch das Rezept, um den Golem unschädlich zu machen?“ Kruschjer schüttelte den Kopf. „Ich dachte, die kämen nie wieder!“

    Zacker trat zu den beiden hinzu und meinte ganz gelassen: „Ach was, Golems sind ganz harmlos. Könnt ihr euch denn gar nicht mehr erinnern? Wir brauchten sie nur mit gereinigtem Wasser besprengen und schon platzten sie. Und das gab die leckersten Kürbisse, die wir je auf der Insel hatten. Perle vom Proviantlager hat die Rezepte für das Wasser noch. Er hat erst neulich gesagt, dass er hofft, die Golems würden auch dieses Jahr auftauchen.“ Hinter Zacker tauchten einige Kinderköpfe aus dem Gebüsch auf. Die Kinder schauten sich kurz an, dann machten sie sich leise aus dem Staub und winkten die anderen aus der Gruppe herbei. „Habt ihr das auch gehört? Die Golems werden Kürbisse, wenn man da richtiges Wasser aus dem Proviantlager drauf wirft. Wieselchen, dein Vater schafft doch im Proviantlager. Kannst du das nicht mal besorgen. Ich will auch mal einen Golem platzen lassen!“ Wieselchen schüttelte ängstlich den Kopf. „nee, wenn mein Vater mich erwischt! Das ist kein Spaß. Einmal habe ich probiert, einen Korb zu ergattern. Fünf Wochen musste ich im Proviantlager mitarbeiten. Das mach ich nicht mehr.“ Krispel, der größte und stärkste unter den Kindern überlegte. „ Habe die nicht was von Kürbissen gesagt? Ich habe wilde Kürbisse auf der Insel gesehen. Wenn wir die einsammeln und auf den Golem werfen, dann gibt das bestimmt auch die großen Kürbisse.“ Wieselchen nickte eifrig. „Ich weiss, wo noch welche liegen. Die wurden heute morgen übersehen.“ Schnell sprang sie davon und tauchte nach kurzer Zeit mit einem kleinen Kürbis wieder auf. Krispel schnappte sich den Kürbis und rannte ans Seeufer. Er holte weit aus und warf ihn über den See. Doch am Rand der Insel fiel die orangefarbene Kugel auf den Boden und rollte ins Wasser. „Hast du noch einen?“, fragte er enttäuscht. Wieselchen schüttelte den Kopf. „Morgen früh vielleicht wieder. Ich habe sie immer nur morgens gesehen“, meinte sie zögerlich. Den Kürbis, den sie gestern Abend ihren Eltern gebracht hatte, erwähnte sie nicht. Sollte Krispel doch selber auf die Idee kommen, abends zu schauen.

    Die anderen Kinder hatten aufmerksam zugehört. Jedes der Kinder wollte mal auf den Golem werfen! In den kommenden Wochen suchten die Siedler an vielen Tagen vergeblich nach Kürbissen und konnten sich gar nicht erklären, warum es auf der Insel nur noch so wenige wilde Kürbisse gab. Auch nicht, warum die Kinder morgens auf einmal so früh aufstanden und gleich unterwegs waren.

    Anderes beschäftigte die erwachsenen Siedler. Wie im vorigen Jahr auch, brachte das Besprengen den Golem zum Platzen und es fanden sich als Belohnung dicke Kürbisse. Es öffnete sich eine Erdspalte mitten auf der Insel und der Kopf eines neuen Golems schaute heraus. Doch weiter wollte der Golem einfach nicht wachsen. Ungläubig schauten die Siedler zur Insel. Nachdem sie einmal die leckeren Kürbisse bekommen hatten, wollten sie schon mehr davon haben. Sie überlegten hin und her und zogen die Pulami zu Rate. Schließlich sammelten sie alle langen Äste, Stämme und anderes, was sie auf der Insel fanden, ein und eine Gruppe mutiger Siedlern ruderte zur Insel hinüber und versuchte die Erdspalte zu erweitern und so dem Golem das Herauswachsen zu erleichtern. Ihre Enttäuschung war groß, als sie bemerkten, dass alle Versuche nichts nutzten. Sie mußten sich gedulden, bis der nächste Golem seinen Weg selbst gebahnt hatte. Umso größer die Freude, als die Beute beim nächsten Mal reichlicher ausfiel. Nach einigen Tagen erschien nicht mehr der Steingolem, sondern ein Obsidiangolem mit Türkisen als Augen. Doch als er sich in einen glühenden Lavagolem wandelte, der noch größer als alle zuvor waren, hatten auch die mutigsten der Siedler ihre Bedenken und kaum einer wagte sich heran, um ihn mit Weihwasser zu besprengeln.

    Die Kinder indes hatten die Zeit genutzt. Jeder Kürbis, den sie finden konnten, flog über den See. Aber keiner brachte den Golem zum Platzen. Krispel war der erste, der den Golem traf. Doch der Kürbis platzte nur und das Fruchtfleisch rutschte am Golem runter. Nichts passierte. Viele Kürbisse fielen einfach nur ins Wasser und sanken dort an den Grund des Sees. Die Fische profitierten davon. Sie nagten die aufgeweichten Teile an und wuchsen besonders stark in dieser Zeit. Doch alle Kürbisstücke fraßen sie nicht. Auch die Enten nicht. Das Kürbisfleisch zersetzte sich am Seeboden und auf geheimnisvolle Weise rutschten die Fasern weiter, bis sie in den Leitungen des internets landeten und dort für Verstopfungen sorgten, die den reibungslosen Ablauf so mancher Abenteuer behinderten. ^^
    Geändert von marsuli (02.11.14 um 19:21 Uhr) Grund: Absätze zu besseren Lesbarkeit, Schreibfehler

  6. #6
    Siedler
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    Die Kohlefresser

    „Was ist denn jetzt schon wieder los?“ Wütend trat der Eisenschmelzer Hektor gegen den Blasebalg, der neben ihm stand. „Das Feuer ist schon wieder zu kalt!“ Der zweite Tritt traf das Gestell, an dem der Schmelzkessel aufgehängt war. Hektor verzog schmerzhaft das Gesicht, humpelte zu dem Kohleberg und warf ein paar Schaufeln Kohle ins Feuer. „Na also! Jetzt wird`s ja wieder,“ murmelte er.

    „Na, du musst dich halt noch umstellen. Nach dem Umbau brauchst du halt einfach mehr Kohle fürs Feuer. Kriegst ja schließlich auch mehr Eisen.“ Kraxxler, ein kleiner Pulami, der sich durch die engsten Spalten zwängte, lehnte im Türrahmen und sah sich neugierig um. „Da hat sich ja wirklich alles verändert! Der Kessel ist viel größer geworden. Du hast bestimmt auch viel mehr zu tun. Kein Wunder, wenn da nicht alles auf Anhieb klappt!“ Hektor drehte sich um und musterte den Pulami. „Nein, das ist es nicht“ knurrte er, immer noch etwas ungehalten. „Ich hatte schon vorher alles überlegt und ausgerechnet. Nein! Die Kohle taugt einfach nichts“. Kraxxler kam näher und sah nachdenklich aufs Feuer. „Was du jetzt drauf geworfen hast, das müsste schon eine Weile halten“, meinte er. Plötzlich runzelte er die Stirn und blinzelte. Was war das? Jetzt wieder! Ohne viel nachzudenken griff er nach 2 Kohlestückchen und warf sie sachte ins Feuer. Schon wieder! Jetzt packte er die Kohleschaufel und warf eine ganze Schaufel Kohle nach. Gespannt beobachtete er das Feuer. Hatte er das richtig gesehen? Da hatte doch etwas nach der Kohle …. . In seine Gedanken versunken, drehte der Pulami sich um und ging ohne weitere Worte die Türe hinaus.

    Unschlüssig schaute er sich um, dann lief er in die Richtung der Dorfschule, die in der Nähe der Gold- und Kupferminen stand. Wie erwartet saß sein alter Lehrer auf der Bank neben der Schule und schmauchte dort in der warmen Nachmittagssonne seine Pfeife. Kraxxler setzte sich neben den alten Mann auf die Bank und wartete. Der Lehrer rauchte seelenruhig weiter. Als Kraxxler schon überlegte, ob er nicht bemerkt worden wäre und gehen sollte, nahm sein Lehrer die Pfeife bedächtig aus dem Mund und brummte: “Na du Felsenkriecher! Was verschlägt dich denn hierher?“ Der Pulami erzählte ihm, was er bei Eisenschmelzer erlebt hatte und meinte zum Schluss: „Du bist doch derjenige auf der Insel, der sich am besten mit den alten Geschichten auskennt. Hast du schon einmal so etwas gehört oder gelesen?“ Der alte Mann hörte Kraxxler zu und schien dabei schon fast einzunicken. Nur wenn er an seiner Pfeife zog, war zu bemerken, dass er nicht schlief. Nach einer langen Weile tauchte er aus seiner Versunkenheit auf und klopfte sorgfältig seine Pfeife an der Bank aus. Die Asche fiel auf ein kleines Häufchen, das sich bereits darunter angesammelt hatte. „Ja, das könnte es sein. Kohlefresser! Mein Urgroßvater hat mal was erzählt von Kohle, die verschwunden war. Die Siedler haben damals lange gebraucht, bis wieder alles in Ordnung war. Das war ganz früher, vor Urzeiten. Aber Genaueres kann ich dir nicht erzählen. Doch in den frühen Büchern der Pulami könntest du vielleicht etwas finden.“ Umständlich stopfte der Alte seine Pfeife und zündete sie an. Kraxxler wanderte langsam zu den Felsen, in denen die Pulami ihre Schriften aufbewahrten.

    Im selben Moment , als der Pulami seine Entdeckung im Feuer des Eisenschmelzers machte, blickte auch Hektor zur Feuerstelle. „Da siehst du es selber, “ schrie er aufgebracht dem davongehenden Kraxxler nach. „Die Kohle taugt einfach nichts. Ich bekomme nur noch Schrott!“ Neben der Eisenschmelze tauchte Rumpel auf. Er betrieb eine der Recyclingmanufakturen in der Nähe. „He, he, wie redest du über unsere Kohle! Das ist kein Schrott, sondern ausgezeichnete Ware!“ Rumpel hatte seine Kohle im Lagerhaus abgeliefert, als er Hektor so schreien hörte. In seinen Gedanken schwirrte noch das Lob des Lagerverwalters, wie gut doch diese Kohle sei, die er abgeliefert hatte. Hektors Unzufriedenheit nervte ihn ein wenig. Schon seit einigen Tage schrie er so herum und das ganz ohne Grund. „Dann schau dir das mal an. Ständig ist das Feuer heruntergebrannt. Das ist nur diese minderwertige Kohle, die du machst“, tobte Hektor. „Meine Kohle ist klasse. Was kann ich dafür, dass du kein Feuer machen kannst. Du verstehst deine Arbeit nicht und jetzt soll ich daran schuld sein!“ Jetzt war auch Rumpel wütend. Drohend ging er in die Schmelze hinein und auf Hektor zu. Der war inzwischen so aufgebracht, dass er ausholte und Rumpel mit der Faust ins Gesicht schlug. Rumpel verlor das Gleichgewicht, knallte mit dem Kopf gegen die Türe und sank Traude, einer kräftigen Siedlerfrau, die wegen des Streits herein schaute, in die Arme. Rumpel rappelte sich auf und stürzte auf den Schmelzer zu, der sich mit einer schnellen Flucht aus dem Gebäude rette und auf das Seeufer zulief. Rumpel stürmte ihm verbissen und wütend nach.

    Im nahegelegenen großen Lagerhaus stemmte sich Finne auf seinen Besen. Vor kurzem hatte er angefangen, den Lagerverwalter Esen bei seiner Arbeit zu unterstützen. Jetzt fegte er gerade das Lagerhaus aus. Die Arbeit gefiel ihm. Er mochte es, die angelieferten Waren einzuordnen und zu sortieren. Auch die Lagerkontrolle war eine gute Sache. Da konnte er so richtig in der Arbeit aufgehen. Wenn er in kurzer Zeit fertig wäre, dann würde er das kleine neue Lagerhaus bei den Mühlen übernehmen. Er hatte da schon ein paar Ideen, wie das Getreide besser untergebracht werden konnte. Nur das Fegen und Sauber halten des Lagerhauses, das war nicht so seine Sache. Naja, auch Esen war da nicht so sauber. Dort, wo er gerade gefegt hatte, da waren ganz schön viele Krümel herumgelegen. Und dort hinten, da lag wohl ein angebissenes Käsebrot , schon angegammelt, auf dem Boden. Bevor er ins andere Lager wechseln würde, da wollte er auch noch den Spalt in der Mauer dort zumachen, damit keine Ratten ins Lager kämen. Finne ließ seinen Blick über den bereits gefegten Bereich schweifen. Wieso lag dort jetzt Kohle auf dem Boden? Finne war ganz sicher, dass dort nichts gelegen hatte. Verdutzt schaute er nochmals hin und erstarrte. Aus dem Kohlestückchen schob sich ein kleines Ärmchen mit einer Hand heraus und tastete sich zur Wand. Dort hangelte es sich in Windeseile entlang bis zu dem gammeligen Käsebrötchen. Das Ärmchen wurde dabei immer länger und dünner. Dann riss die Hand ein Stückchen vom Käsebrot ab und verschwand wieder in dem Kohlestück. Das blähte sich auf und mit einem Rülpser sackte die Kohle wieder in sich zusammen. Dann tauchte das Ärmchen wieder auf und holte sich ein zweites Stück Käsebrot. Doch nach dem Rülpser lagen da auf einmal zwei Kohlen auf dem Boden. Aus jeder Kohle glitt ein Ärmchen heraus und hangelte sich an der Wand entlang in Richtung zum Käsebrot….
    Finne schrie.

    Am Seeufer erstarrten die beiden Streitenden, als sie den Schrei hörten. Rumpel hielt Hektor gerade in einem festen Griff, aus dem sich dieser nicht befreien konnte. Rumpel drehte sich abrupt in Richtung des Lagerhauses herum . Durch die unerwartete Drehung verlor Hektor sein Gleichgewicht, rutschte seinem Kontrahenten aus dem Griff und fiel in den Schlamm des Seeufers.
    Von allen Seiten eilten Siedler herbei, um festzustellen, was es mit diesem Schrei auf sich hatte.“Ddda, … Kohle …. Arm …. Kkkkä … zzwei Kkohle …..verschwunden“. Mehr konnte Finne anfangs nicht stottern. Nur langsam beruhigte er sich und die Siedler erfuhren, was er beobachtet hatte. Die Kohle war verschwunden. Nur ein paar Krümel lagen auf dem Boden.
    Am Abend versammelten sich die Siedler. Sie waren verunsichert. Was Finne da erzählt hatte, konnten sie sich einfach nicht vorstellen. Es waren die Buchbinder, die die überzeugendste Idee hatten. In den darauffolgenden Tagen taten sie sich mit den Papierschöpfern zusammen und entwickelten eine Falle für diese merkwürdigen Kohlestücke, die da auftauchen und wieder verschwinden konnten. In jedem Lagerhaus wurde eine Papierrolle ausgelegt und mit Buchbinderleim bestrichen. Inmitten des Papiers lag je ein vor sich hingammelndes Käsebrot. Dann hieß es geduldig warten. Einige Siedler legten sich auf die Lauer und beobachteten die Falle. Und sie hatten Glück. Zu einer ruhigen Zeit des Tages rutschte auf einmal wieder ein Kohlenstück durch den Mauerspalt. Langsam hangelte sich ein Ärmchen in Richtung zu dem Käsebrot. Es rutschte auf das klebrige Papier und blieb hängen. Das Ärmchen erstarrte, dann wollte es zurück zur Kohle. Es ruckelte als wollte es sich von dem Untergrund befreien, dann rutschte die Kohle auf das klebrige Papier. Die Falle war zugeschnappt.

    Kraxxler hatte in den Büchern tatsächlich eine alte, sehr alte Geschichte aus den Anfängen der Siedler gefunden. Auch damals waren immer mehr Kohlen verschwunden. Was produziert wurde reichte hinten und vorne nicht aus. Selbst der Ausbau der Köhlereien verschaffte nur eine kurze Verschnaufpause, danach waren die Vorräte schon wieder verschwunden. Schließlich beobachtete ein Siedler, wie sich ein Kohlestück nach dem Genuss eines vergammelten Käsebrotbröckchens verdoppelte und konnte den Weg dieser Kohlestücke unbemerkt verfolgen. Weil er als Siedlerzwerg ausreichend klein war gelang es ihm, durch die Felsspalte bis in die Wohnhöhle der Kohlestücke vorzudringen. Er entdeckte ein ganzes Geflecht von Höhlengängen, in denen überall Kohle und Holzkohle abgelagert war. In der größten Höhle, mit einem Durchgang nach oben, befand sich eine ganze Schar von Gestalten, die vergnügt grunzend die Kohle fraßen. Immer wieder tauchte ein neues Mitglied auf und schleppte neue Kohle und Holzkohle herbei. Es waren Kohlefresser! Kraxxler rieb sich müde die Augen. Die Schrift in dem alten Buch war vergilbt und schwer zu entziffern. Die folgende Seite war komplett verschwommen und zum Teil herausgerissen.

    Der Pulami machte sich in den Felsen bei den Eisenschmelzen auf die Suche. Und dort entdeckte er ein ganzes Höhlensystem. Von der größten Höhle ging ein Spalt senkrecht nach oben. Kraxxler hörte einen Blasebalg schnaufen. Das musste Hektors Blasebalg sein. Er beobachtete wie immer wieder neue, glühende Kohlenauf den Boden fielen und dort schnell eingesammelt, manche auch gleich an Ort und Stelle einverleibt wurden. Vorsichtig zog sich der Pulami zurück. Sein nächster Weg führte ihn zum Stahlschmied. Wenige Tage später transportierten einige Gruppen Pulami engmaschige Stahlnetze an die verschiedenen Gänge des entdeckten Höhlensystems. Bei Hektor erlosch das Feuer und die Feuerstelle wurde freigelegt. Tatsächlich, es fand sich ein Spalt, der in die darunterliegende Höhle mündete. Auch hier befestigten geschickte Hände ein Stahlnetz. Jetzt begann ein lautes Lärmen. Von allen Seiten zwängten sich Pulamis in die Höhlengänge und die Kohlefresser versuchten diesem Lärm zu entkommen. Doch sie gelangten nur in die Stahlnetze, aus denen es kein Entkommen gab. Bald waren alle Kohlenfresser gefangen. Erleichtert über ihren Erfolg versammelten sich alle, um zu beraten, was mit den Kohlefressern geschehen sollte. „Wir fahren doch demnächst wieder zu dieser Insel, wo diese grässlichen schwarzen Priester ihre gefährlichen Rituale machen. Da sind doch auch die heißen Löcher im Boden. Können wir die Kohlefresser nicht dort reinwerfen? Dann können auch die Priester nicht mehr so viel machen, wenn in Zukunft die Kohlefresser sie statt uns plagen.“
    Gesagt, getan. Auf der Fahrt zur Insel der schwarzen Priester fuhren auch die Kohlefresser mit. Und sie verschwanden in den heißen Erdspalten.

    Einige Siedlerfeste später saßen Hektor und Rumpel in derselben Siedlergruppe, als die Geschichte mit den Kohlefressern aufkam. „Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie aufgeregt diese Kohlefresser wurden als wir zu den heißen Spalten kamen,“ erzählte ein Siedler, der dabei gewesen war. Wir konnten die Netze fast nicht mehr halten, so tobten die darin herum.“ „Und die Ärmchen ragten auf einmal aus dem Netz heraus. Nestor fiel vor Schreck in ein Wasserloch und musste erst mal seine Kleider waschen und trocknen.“ Nestor war bekannt dafür, dass er einen Waschfimmel hatte. Die Siedler aus der Gruppe lachten. „Aber so schlimm wie Hektor, als er in den Schlamm fiel, sah Nestor nicht aus,“ lachte ein anderer. Hektor schaute wütend auf Rumpel. „Und Rumpel, wie er in Traudes Armen lag!“ Rumpel lächelte etwas dünn. Traude war seither immer, wenn es nur ging, in seiner Nähe und ließ ihn nicht aus den Augen. Und dann diese kleinen Geschenke vor seinem Fenster. Seine Freunde kommentierten das immer vergnügter.
    „Wie die Kohlefresser versuchten von dem Leim wegzukommen. Das war zum Schreien“. Finne sprang in den Kreis, ein Papier in der Hand und tat als wollte er es abschütteln. Dabei schnitt er Grimassen. Lachend sprang einer seiner Freunde hinterher. „Du meinst so,“ rief er und zog Finne am ausgestreckten Arm. Finne verlor sein Gleichgewicht, stolperte und kullerte auf seinen Freund. Die Siedler lachten. Auch in Rumpels Gesicht zuckte es. Er konnte sich einfach nicht halten und stimmte erst verhalten, dann immer lauter in das Gelächter ein. Hektor blickte von einem zum anderen. Das Lachen wirkte so ansteckend, dass auch seine Verstimmung sich auflöste und er sich das Lachen nicht mehr verkneifen konnte.
    Das fröhliche Lachen verebbte langsam. Hektors und Rumpels Blicke trafen sich kurz. Bei beiden hatte sich der Zorn auf den anderen etwas gelöst. Freunde wie zuvor waren sie keine. Doch sie sprachen in der folgenden Zeit wieder miteinander. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
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    Geändert von marsuli (08.01.15 um 15:49 Uhr)

  7. #7
    Siedler
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    Die Weihnachtsinsel

    Die ganze Insel war schneebedeckt. So hatte ich sie noch nie gesehen. Statt der grünen Wiesen und der abwechslungsreichen Gebäuden erwartete mich eine verschneite und friedliche Winterlandschaft, als ich auf meine Insel kam. Der Schnee verschluckte die üblichen Geräusche, alles verschwand unter weißer Watte. Die übliche Betriebsamkeit schien verschwunden, das Leben ging einen Gang oder zwei langsamer und gemütlicher. Tief die frische Luft einatmend, sah ich mich um. In meiner Nähe tobten die Kinder der Siedler und Pulami fröhlich durch den Schnee. Aus großen Kugeln bauten sie einen Schneemann. Lächelnd sah ich ihnen zu. Zwei Kohlestückchen als Augen, ein paar als Knöpfe und eine dicke Karotte als Nase. Dann noch ein alter, hoher Zylinder als Hut und natürlich den längsten Schal um den Hals gebunden. So sahen die Schneemänner in meiner Erinnerung auch aus.

    Der See war angefroren und der riesige, geschmückte Weihnachtsbaum, der eines Tages im Advent auf einmal auf der Insel auftauchte, war mit einer weißen Schicht bedeckt, aus der der Baumschmuck hervorblitzte. Ja, Weihnachten konnte kommen. Meine Insel war darauf eingestimmt.
    Langsam wurde es dämmrig. In den Wohnhäusern in der Nähe wurden die Fenster hell und auch in den Bäckereien wurden die ersten Lampen genutzt. Die Kälte wanderte meine Füße hoch. Ich stapfte durch den Schnee an den Wassermühlen vorbei, um dorthin zu gelangen, wo ich bei meinem Besuch untergebracht war. Im Sommer hatte ich mal im gefrosteten Herrenhaus, mal in einem schwarzen Schloss geschlafen, doch jetzt, im Winter, waren mir diese Gebäude zu zugig.

    Langsam spazierte ich an der Edelholzsägemühle vorbei zur Piratenunterkunft. Nein, im Winter war mir diese Wohnmöglichkeit entschieden zu ungemütlich. Die Dorfschule kam in Sicht. Ich war stolz darauf, dass die vielen Kinder meiner Siedler eine gute Ausbildung erhielten. Die Bogenmacherei in der Nähe wollte ich noch ausbauen. In letzter Zeit waren vermehrt Gerüchte über ein Märchenschloss aufgetaucht, in dem man magische Bohnenstangen ziehen konnte. Eine reizvolle Herausforderung! Nördlich der Piraten kam es mir schon immer etwas märchenhaft vor. Doch zuvor galt es, die notwendigen Zauberbohnen einzusammeln. Meine Siedler hatten sie immer mitgebracht, wenn sie das Schneiderlein unterstützt hatten. Bogenschützen ließen sich hier nur zu gut einsetzen und waren unentbehrlich.

    Der Weg führte mich jetzt zwischen dem Brunnental und der Wohnsiedlung am Schloss des schwarzen Kults vorbei zu meiner Unterkunft. Ein gehobenes Wohnhaus mit einem atemberaubenden Blick über die Bucht.
    Mein Zimmer war gemütlich. Der Kamin war angeheizt und verbreitete wohlige Wärme. In seiner Nähe stand ein großer Ohrensessel. Auf dem Beistelltischchen aus Kirschbaumholz hatte ich die Tasse Schokolade abgestellt, die ich aus der Küche mitgebracht hatte. Jetzt noch schnell ein paar frische und kuschlige Strümpfe angezogen und dann am Kaminfeuer das in der Bibliothek gefundene Buch gelesen. So sah meine Vorstellung von einem geruhsamen Abend aus. Da sah ich den Brief auf meinem Bett. Neugierig hob ich ihn auf. Kein Absender! Wer hatte mir da geschrieben? Das Buch musste warten. Zuerst kam der Brief an die Reihe.



    Liebe marsuli,

    kannst du mir helfen?

    Als wir heute Morgen im Weihnachtsdorf die letzten Geschenke fertigstellen wollten, haben wir entdeckt, dass alle Geschenke, ob fertig oder nicht, gestohlen worden waren. Meine Helfer haben Spuren im Schnee gefunden und konnten sie bis zum Hafen verfolgen. Dort haben sie erfahren, dass in dieser Nacht Croaker mit seiner Bande angelegt hatte und schon im Morgengrauen wieder abgefahren ist. Croaker ist ein übler und gefährlicher Miesepeter. Er hat sich auf der Weihnachts-Insel verschanzt und will die Geschenke nicht mehr herausgeben! Aber was soll ohne Geschenke für die Kinder aus dem Weihnachtsfest werden?

    Dein Weihnachtsmann




    Das war eine üble Geschichte, so kurz vor den Festtagen. Bestürzt eilte ich mit dem Brief zu meinen Siedlern.

    „Die Weihnachts-Insel? Das muss die Tannenbaum-Insel ganz am Rand der Karte sein. Dort liegt das ganze Jahr über Schnee. Da ist es richtig kalt.“ Nachdenklich schaute Vasp, mein Veteran, auf die Karte. „Wir sollten uns mit den Truppen darauf einstellen. Mit den kleinen, robusten Inselpferden werden wir hier schneller vorwärts kommen als mit den größeren Rössern. Und dann sollten wir die Truppen aus den ehemaligen Räubern schicken. Die meisten kommen mit dem Klima gut zurecht.“ Die umstehenden Generäle nickten bestätigend.

    Gesagt, getan. Die schnellen Einheiten waren nach kurzer Zeit unterwegs. Nach einer rauen Überfahrt gelangten die Schiffe an der Weihnachts-Insel an. Die kleinen struppigen Pferde wieherten aufgeregt, als sie an Land gebracht wurden. Die Insel war mit Schnee bedeckt, soweit wie das Auge reichte. Die Suche nach Croaker würde anstrengend werden. Die Kundschafter fanden ein bewohntes Anwesen in der Nähe des Landplatzes. Die Bewohner waren völlig verängstigt. Erst als unsere wilden Reiter mit ihren schneeverkrusteten Pferden das Hauptmannslager auf dem Hof überrannt und beseitigt hatten, trauten sich die Anwohner, einiges zu erzählen.

    Croaker war mit seiner Bande eines Tages auf der ungeschützten Insel aufgetaucht und hatte sie einfach in Besitz genommen. Solange die bisherigen Bewohner den Anordnungen der Banditen gehorchten und die notwenigen Lebensmittel wie Brot und Bier beschafften, konnten sie einigermaßen in Ruhe leben. Doch niemand wusste wie viele Banditen sich auf der Insel aufhielten oder wo ihre Lager waren. Croaker hatte die verlassene Residenz am anderen Ende der Insel okkupiert und hielt dort mit seinen Gesellen opulente Gelage ab. Die Siedler machten sich auf den Weg zur Residenz. Der Marsch durch den Schnee und die Schneeverwehungen war schwierig. Auch die Lager auf dem Weg waren nicht leicht zu finden. Jetzt waren die robusten Pferde von großem Nutzen. Unverdrossen trabten sie vorwärts und waren nicht müde zu bekommen. Mit ihnen und ihren Reitern war immer wieder ein überraschender Angriff möglich, was große Vorteile brachte. So kämpften sie sich schneller den Tannenbaum hoch, als sie es selbst erwartet hatten.
    Croaker hatte nicht damit gerechnet, dass er wegen der erbeuteten Geschenke zur Rechenschaft gezogen würde. Aber er und seine verbliebenen Leute leisteten erbitterten Widerstand. Doch es war vergeblich. Auch sein Lager fiel, Croaker wurde gefangen genommen und die Siedler stürmten jubelnd zur Residenz.

    Nach kurzer Zeit verstummten die Jubelrufe. Croaker, dessen Blicke den voranstürmenden Siedlern noch besorgt gefolgt waren, entspannte sich. Er begann zu grinsen. Als die ersten Siedler mit enttäuschten Gesichtern aus dem Gebäude kamen und nur zerbrochene und beschädigte Geschenke in den Händen hielten, wurde sein Grinsen immer breiter. Freude zog über sein Gesicht. Die Siedler schauten ihn erst verblüfft und dann zunehmend wütender an. Schließlich packten sie den aus vollem Halse lachenden Croaker und zerrten ihn in die Residenz.

    Im großen Empfangsraum der Residenz sah es traurig aus. Der Großteil der Möbel war zerschlagen. Bei einigen Schränken hingen die Türen nur noch an einem Scharnier. Auf dem Boden kullerten leere Flaschen, Teller mit Essensresten standen herum und zwischen jeder Menge zerrissenem Geschenkpapier lagen beschädigte Geschenke. Zufrieden blickte Croaker um sich. Er fühlte sich hier wohl. Siedler gingen durch die Halle und suchten, ob sich zwischen all dem Plunder und Müll noch unversehrte Geschenke befanden. Leise knarrte ein Dielenbrett hinten bei einem Schrank mit einer ausgehebelten Türe. Croaker erstarrte unwillkürlich und warf einen schnellen Blick um sich. Nein, niemand hatte etwas bemerkt.

    Vasp, der schräg hinter ihm stand, war Croakers Erschrecken nicht entgangen. Er beobachtete den Banditen genauer. „Schau mal genauer in dem Schrank dahinten nach,“ forderte er einen der Siedler auf. Wieder knarrte die Diele. Croaker gab sich betont unbeteiligt. Nichts war zu finden. „Und unter dem Schrank?“ hakte Vasp nach. Croaker wurde unruhig. Aber auch dort entdeckte der Siedler nichts. Als er sich wieder zu den anderen gesellen wollte, meinte Vasp plötzlich:“Halt. Dort wo du stehst, schau da mal nach unten. Ist da irgendetwas anders?“ Der Siedler überprüfte den Boden. „Nein, nur die Diele ist ein wenig locker.“ Croaker hielt die Luft an. Jetzt war sich Vasp sicher. „Dann mach die Diele da mal weg,“ wies er den Siedler an. Aus Croakers Gesicht verschwand das hämische Grinsen.

    „Was ist denn das?“ Der Siedler zerrte an der zweiten Diele. Jetzt wurden auch andere aufmerksam und kamen herbei. Geschenkpapier war in der Öffnung zu sehen. Croaker wurde bleich. Aufgeregt rissen die Siedler die nächsten Dielen raus. Unter dem Boden lagen fein säuberlich viele Geschenke verstaut. Eifrig holten die Siedler ein Geschenk nach dem anderen aus dem Versteck. Croakers Gesicht wurde immer länger und mürrischer, je mehr der Geschenke auftauchten. Die Suchenden wurden immer vergnügter und fröhlicher. Endlich war die letzte Diele entfernt und kein eingepacktes Päckchen tauchte mehr auf. Zufrieden verstauten die Männer ihren Fund und zogen alles auf schnell zusammen gezimmerten Schlitten zu den Schiffen.

    Croaker ließen sie zurück. Er war nur noch ein trauriges Bündel, dem jede Freude über seinen Streich abhanden gekommen war. Es würde lange dauern, bis er sich von diesem Schlag erholt hätte.
    Der Weihnachtsmann hingegen verteilte auch in diesem Jahr zufrieden die Geschenke aus der Weihnachtswerkstatt an die Kinder.
    Angehängte Grafiken
    Geändert von marsuli (08.01.15 um 15:52 Uhr)

  8. #8
    informant778
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    Gefällt mir! Du hast die 500 Edelsteine echt verdient!

  9. #9
    Neuankömmling
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    Funkelberg
    gäääähn

  10. #10
    Neuankömmling
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    ganz fein, könnte fast von mir sein.

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